Tipps zum erfolgreichen Start im Kleingarten

Willkommen bei uns im Haidelmoos!

Aller Anfang ist… grün! Wer bei uns im Haidelmoos in Konstanz einen Kleingarten übernimmst, merkt schnell: Unser Boden ist fantastisch fruchtbar und gut drainiert. Das Problem? Das wissen nicht nur deine Tomaten, sondern auch die Wildkräuter, die oft schneller wachsen, als du zuschauen kannst.

Damit dir dein Garten in der ersten Saison nicht sprichwörtlich über den Kopf wächst, haben wir hier ein paar wichtigste Tipps für dich zusammengefasst – vielleicht sind sie ja auch für den ein oder anderen „alten Hasen“ nützlich…

Was wächst denn da?

Mach dich mit den Pflanzen im Garten vertraut. Löwenzahn kennt jeder, aber nicht alles ist bekannt und soll bleiben… Unser Boden ist ein Paradies für sogenannte Zeigerpflanzen, und manche davon sind durchaus anstrengend. Wenn du sie siehst, weißt du sofort, was Sache ist:

Brennnessel (Urtica)

Ein Kompliment an deinen Boden! Sie zeigt stickstoffreiche, beste Erde an. 
Dünger-Power: Sie ist die Basis für die beste kostenlose Dünger-Jauche, die du deinen Pflanzen geben kannst.
Schmetterlings-Hotel: Wer 300–400 qm Garten bewirtschaftet, darf ruhig eine Ecke für Brennnesseln reservieren. Sie sind essenziell für über 30–50 heimische Schmetterlingsarten, da sie als Hauptnahrung für deren Raupen dienen.
Aber: Behalte sie im Blick! Lass sie nicht zum Nachbarn rüberwandern – gute Nachbarschaft fängt bei der Grenzkontrolle deiner Wildkräuter an. 
Um die Pflanze effektiv einzudämmen, sollte man sie mitsamt der Rhizome ausgraben oder durch regelmäßiges Mähen dauerhaft schwächen. Wichtig ist zudem, die Entsorgung vor der Samenreife zu erledigen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Ackerschachtelhalm

(Equisetum arvense) – Er taucht meist dort auf, wo der Boden verdichtet ist oder sich Staunässe bildet. (Grüße ins Feld III 🙂 Ein Zeichen, dass die Erde dort deutlich mehr Belüftung braucht – hier muss man umgraben und auch in Erde investieren. (manche verbessern die eigenen Böden mit ein paar Tonnen Humus-haltigen Kompost, die man sich am besten liefern lässt. Leider ist Schachtelhalm ein hartnäckiges Thema, an dem man aber dran bleiben muss. – von allein wird es nicht besser… 

Giersch & Ackerwinde

Für die einen „Sorgenkinder“, für andere „mein Lieblingsunkraut“. Und ja – man kann Giersch (Aegopodium podagraria) im Frühjahr essen und er ist gesund… wer selbst ernten will – etwa für Giersch-Pesto – ist auch bei mir herzlich willkommen. Giersch wächst leider aus jedem winzigen weißen Wurzelstückchen neu – ein wenig zupfen und hacken bringt hier nur kurzfristig was (aber immerhin). Hier hilft nur: Gründlich ausgraben, statt nur oberflächlich abzuhacken. Besonders im Hochbeet oder zwischen den Tomaten musst du hier konsequent sein – es wird nur mehr Arbeit, wenn man sie verschiebt. Giersch zeigt uns stickstoffreiche, feuchte und humose Böden. Ob man der Empfehlung, den Boden gezielt abzumagern (also weniger Nährstoffe) tatsächlich folgen soll? Kommt sicher auf die konkrete Ecke an. Mein Hochbeet werde ich nicht abmagern! Im Gegenteil!

Die Gemeine Quecke 

(Elymus repens) – Sie ist wirklich gemein… und weit mehr als ein harmloses Süßgras, weil sie ein extrem konkurrenzstarkes Ausläuferunkraut ist, das sich über ein tiefreichendes Netz aus Rhizomen unkontrolliert im Boden ausbreitet. Selbst aus kleinsten im Boden verbleibenden Wurzelstücken können neue Pflanzen austreiben, während ihre spitzen Wurzeln sogar die Knollen und Wurzeln benachbarter Kulturgewächse durchbohren können. Durch diese aggressive Verdrängungstaktik entzieht sie Nutzpflanzen wichtige Nährstoffe und Wasser, was sie zu einer ernsthaften Herausforderung für die Beschäftigten im Gartenbau macht. Wenn man sie abblühen lässt, gibt es reichlich Nachwuchs im Garten…

Goldenes Gesetz: Dranbleiben!

Im Haidelmoos kann das Unkraut in einer Saison locker die 1-Meter-Marke knacken. Wenn das erst einmal passiert ist, wird die Rettung des Beetes zum harten Workout.

Die 15-Minuten-Regel

Geh bei jedem Gartenbesuch einmal kurz mit der Hacke oä. durch deine Wege und Beete. Junge Keimlinge von Vogelmiere oder Schöllkraut lassen sich im lockeren Boden noch mühelos ziehen. (Schöllkraut auch oft noch, wenn es schon groß ist und der Boden locker…)

Das Übel an der Wurzel packen

Bei vielen „ausdauernden Unkräutern“ hilft nur Gründlichkeit. Ein Unkrautstecher sollte dein ständiger Begleiter sein.
Keine Chemie: Schummeln gilt nicht und Gift ist im Kleingarten absolut tabu! Auch Hausmittel wie Essigessenz oder Salz belasten den Boden massiv und haben in der Natur nichts verloren.

Spezialfälle: Topinambur und Jakobskreuzkraut

Topinambur: Die Knollen sind lecker und gesund. Man sollte sie aber niemals direkt in den Boden pflanzen! Ein klarer Anfängerfehler…  Ohne Rhizomsperre oder einen tief versenkten Topf hast du sie im dritten Jahr überall – und dazwischen siedelt sich mit Vorliebe der Giersch an. Eine Kombination, die man nur mit massivem Aufwand wieder loswird.

Vorsicht beim Jakobskreuzkraut: Diese Pflanze (Jacobaea vulgaris, auch Jakobs-Greiskraut genannt) ist giftig: alle Teile der Pflanze, vor allem die Blüten, enthalten giftige, leberschädigende Pyrrolizidinalkaloide. Auch für  viele Säugetiere ist das Kraut gefährlich und muss daher konsequent in Kleingärten entfernt werden, auch wenn die gelben Blüten hübsch aussehen und vielen Insekten Nahrung bieten. (Fenchel bietet sich als wohlriechender und gesunder Ersatz an…)

Eigenschutz

Bei der Gartenarbeit gilt aus gutem Grund: Handschuhe tragen! Ob Brennnessel-Piekser, Risse, Schnitte,  Stiche, Verbrennungen oder Hautirritationen durch Kreuzkraut oder Schöllkraut – deine Hände werden es dir danken. Desinfektionsmittel, Pflaster und Verbandszeug sollte  jeder im Garten haben. Und Blutvergiftungen etc. braucht wirklich niemand. 

Boden nicht nackt lassen

Wo du nichts pflanzt, pflanzt die Natur selbst. Um den Unkrautdruck zu senken, solltest du offene Bodenstellen vermeiden:

Mulchen: Decke die Erde deiner Beetflächen mit Rasenschnitt, Miscanthus-Mulch oder Stroh ab.  Mulchen ist eine effektive Methode, um den Boden feucht zu halten, die Verdunstung zu reduzieren und dadurch auch den Gießaufwand erheblich zu verringern. Man sollte aber vorher hacken und jäten, sonst ist das nur bedingt effektiv, zumindest was Unkraut betrifft. Und ja… den Giersch interessiert das natürlich überhaupt nicht. 

Sonderfall Rindenmulch
(vor allem grob & von Nadelbäumen) hier ist Vorsicht geboten, da er durch Bodenversauerung und Stickstoffentzug das Wachstum vieler Pflanzen bremst und zudem Schnecken ideale Verstecke bietet. Wege und unter Hecken ja, im Gemüsebeet eher nicht empfehlenswert. Miscanthus ist hier wesentlich besser geeignet. 

Gründüngung: Wenn ein Beet leer wird, säe einfach Phacelia oder Senf aus. Das sieht gut aus und lässt dem Giersch keinen Platz. Phacelia (auch Bienenweide genannt) ist deutlich besser, da es keine Unverträglichkeiten der Folge-Saaten gibt, wie bei den Kohlgewächsen/ kreuzblütigenartigen. (Senfsaaten, Rucola etc. gehören da dazu).

Keep Calm & Jäte.

Gärtnern im Haidelmoos ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Manche Beikräuter lassen sich nur eindämmen, nicht gänzlich besiegen – und das ist auch okay. Lass dich nicht entmutigen, wenn die Natur mal schneller ist als du. Frag einfach auch mal unsere Gartenberater im Verein oder deine erfahrenen Gartennachbarn um Rat – wir alle haben schon mal vor einem meterhohen Dschungel gestanden!

Bleib dran – die eigene Ernte entschädigt für jede gezogene Wurzel!

Übrigens & wer mag: 
Schickt uns gerne Fotos / kurzen Text zu Euren „Lieblings-Un-/Beikräutern“ und was Ihr so damit, dafür oder dagegen macht!